Auswanderer aus Ipsheim

1683 haben die ersten deutschen Auswanderer amerikanischen Boden betreten. Der Zustrom riss nicht mehr ab. Die Nachrichten, die allmählich von der "neuen Welt" jenseits des Ozeans in das "alte" Europa drangen, sprachen von ungeahnten Möglichkeiten, unbegrenzten Weiten, gefährlichen Abenteuern und von nie gekannter Freiheit.
Kein Wunder, dass auch in Ipsheim und in den benachbarten Dörfern immer wieder Menschen den schweren Entschluss zur Auswanderung fassten und ihre Habseligkeiten zusammenpackten. Zwischen 1810 und 1910 taten dies über 180 Einwohner der heutigen Marktgemeinde Ipsheim. Es sind mit Sicherheit noch einige mehr, denn die durchforschten amtlichen Unterlagen enthielten nur die mit behördlicher Genehmigung ausgewanderten Bewohner Ipsheims und seiner Ortsteile. Diejenigen, die, aus welchen Gründen auch immer, ohne behördliche Genehmigung ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben, sind nicht erfasst.
Was trieb die Auswanderer dazu, ihre Heimat - in aller Regel auf immer - zu verlassen? In den meisten Fällen die blanke Not, materielle und seelische, wie die immer wieder auftauchenden Vermerke "ledige Dienstmagd mit Kind", "Witwe mit ihren Kindern" und ähnliche verraten. Die ach so gemütvolle Zeit des Biedermeier, als die Gebrüder Grimm ihre "Kinder- und Hausmärchen" herausgaben, Ludwig Richter und Carl Spitzweg ihre romantischen Bilder malten, täuschte über die andere Seite hinweg: Seit dem Rückzug der Napoleonischen Armee 1813 rissen die Einquartierungen in Ipsheim und Umgebung jahrelang nicht mehr ab. Sie fraßen das Land leer. Zunächst zogen bayerische und österreichische Truppen durch, im Dezember folgten die russischen Verbündeten. Nach dem Feldzug in Frankreich die gleichen Belastungen mit den heimkehrenden Truppen! Als Napoleon , von Elba nach Frankreich zurückgekehrt, noch einmal versuchte, sein Schicksal zu wenden, zogen wieder verbündete Truppen durch unsere Gegend. Im Mai 1815 mussten in und um Windsheim 18.600 russische Soldaten untergebracht werden. Es folgten 80.000 Österreicher. Im Oktober kam der Heerhaufe auf dem gleichen Weg zurück.
Die ausgelaugten Gemeinden hatten zu allem Unglück noch die Hungerjahre 1816 und 1817 zu ertragen. Dauerregen vernichtete die Ernten. Die Lage besserte sich in den Folgejahren nicht wesentlich. Es ist wohl schiere Verzweiflung, die um 1840 die ersten Ipsheimer dazu bringt, mit behördlicher Genehmigung das Land zu verlassen. Gründe werden in den Akten nicht genannt. Knechten und Mägden hat man vielfach wegen fehlenden Vermögens Heirat und Niederlassung verweigert. Sie suchten ihr Glück in der Fremde. Auf alle Fälle trugen die Sehnsucht nach einem besseren Leben, nach größerer Freiheit und sicher auch Abenteuerlust zum großen Entschluss bei.
Was auch immer ihre Motive gewesen sein mögen, die hohe Zahl der Auswanderer aus Ipsheim und seiner Umgebung erstaunt und lässt den Beitrag erahnen, den die deutschen Einwanderer insgesamt zur Entwicklung Nordamerikas geleistet haben.

Liste der Auswanderer aus Ipsheim und den Ortsteilen

 

Gemeinde Markt Ipsheim · Marktplatz 2 · 91472 Ipsheim · Tel. 09846 - 97970 · Fax 09846 - 979717
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