Der Ortsteil Oberndorf

Zu dem oberen Dorf. Der Zusatz Obern- diente einstmals dazu, die Siedlung von einem benachbarten und später untergegangenen Metteldorf zu unterscheiden. Gegen die Annahme, dass Metteldorf schon im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) untergegangen ist, spricht ein Bericht des markgräflichen Kastenamtsgegenschreibers Johann Augustin Richter aus dem Jahre 1780, in dem dieser über das Ortsbild schreibt: "Es theilet sich in Obern- und Metteldorf durch einen kleinen Zwischenraum ab." Heute trägt der ehemalige Siedlungsplatz den Flurnamen "In der alten Peunt". Der Zusatz "metelen" bezeichnet bei Ortsnamen in der Regel den mittleren dreier hintereinanderliegender Orte. Es fehlt aber das Niedern- oder Unterndorf. Entweder wurde es nie angelegt, oder es ist, ohne Spuren zu hinterlassen, wieder eingegangen.
Die Flur hat man dann wohl Metteldorf eingegliedert, von dem noch einige Urkunden berichten: 12. Jahrhundert Urbarfragment des Klosters Heilsbronn: Das Kloster entschädigt den "comes R(apoto v. Abenberg)" für andere Güterüberlassungen mit einer "Manse in Metelendorf", die zuvor C. de Ipetestein (Ipsheim) dem Kloster aufgetragen hatte, sowie mit einem Gut (predium) in Buch (an der Zenn). 1259 übergibt Burchardus de Rutmarsperg dem Deutschen Haus zu Nürnberg unter anderem einen Hof in Oberndorf und das Lehen des Rapoto in Metelendorff als freies Eigen.
1517 schreibt Fritz Steudlin aus Lenkersheim an Schultheiß und Gemeinde zu "Obern vnd Mettldorf" und droht zweien ihrer Einwohner Brandstiftung an, wenn die Gemeinde ihm jene nicht ausliefere. 1565 Lehenbuch Pfarrei Altheim: "Item Wolff Eckart zu Mettelndorf gibt Jerlich von 1 weingarten ... zw Meilein ... den weinzehndt". 1571 Zins- und Giltbuch Amt Hoheneck: Verzeichnis der Herrengilt aus Oberndorf und Metteldorf. 1601 Kirchenbuch Ipsheim: "Ein Sohn des Adam Kneupel zu Mettelndorff getauft".
Da der Ortsname Oberndorf weit verbreitet ist - das Postleitzahlenbuch nennt über 30 Orte dieses Namens - ergänzten ihn die Schreiber zuweilen durch Zusätze, die die Lage der Siedlung näher kennzeichneten.
Wer Oberndorf auf der Bundesstraße 470 durchfährt, gewinnt den Eindruck einer neuzeitlichen Siedlung. Die großzügige Ortsdurchfahrt und moderne Handwerksbetriebe prägen das Ortsbild der 280-Seelen-Gemeinde. Zwei Gaststätten und ein in den Sommermonaten geöffnetes Gartencafé laden zum Verweilen ein. Rührige Vereine zeugen vom Zusammenhalt der Einwohner.
Auch Oberndorf hatte unter den großen Kriegen zu leiden. So fielen im Dreißigjährigen Krieg in den Jahren 1632 bis 1634 vier Fünftel aller Anwesen wüst. Die Bewohner waren entweder an der Pest gestorben, den Kriegswirren zum Opfer gefallen oder geflüchtet. Auch im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) hinterließen durchziehende Regimenter ihre Spuren. Im April 1945 waren es die Verbände der 12. US-Panzer-Division, die in den Ort einrückten. Noch 1985 wurde in Oberndorf Munition aus dem zweiten Weltkrieg ausgegraben. Ein Gemeindebürger hatte auf den brisanten Fund aufmerksam gemacht. Er erinnerte sich, wo man ihn nach dem Krieg verscharrt hatte.
1972 wurde Oberndorf im Rahmen der Gebietsreform nach Ipsheim eingemeindet. Die Geschichte beider Orte ist von jeher aufs engste miteinander verknüpft. Oberndorf ist nicht nur seit alters her mit Ipsheim kirchlich eng verbunden, es bildete schon in der Zeit der ersten Besiedlung das obere Dorf von Ipsheim.
Wann die erste Kirche in Oberndorf gebaut wurde, ist nicht mehr feststellbar. Auch nicht der Kirchenheilige. Jedoch lässt die Tatsache, dass in früheren Zeiten die Kirchweih im Juli, also um den Namenstag des Hl. Kilian (8. Juli) stattfand, darauf schließen, dass die Kirche ursprünglich diesem Heiligen geweiht war. 1565 wurde die älteste Glocke beschafft, die nach mancherlei Schicksalen heute wieder an ihrem Platz auf dem Turme hängt. Eine Gotteskastenrechnung aus diesem Jahre besagt, dass der Pfarrer von Ipsheim Kirchweihpredigt in Oberndorf hält und daß er und der Schullehrer "samt ihren Weybern" eingeladen sind.
1577 steht vermerkt: "Der Totengräber aus Ipsheim bekommt ein Wartegeld aus dem Oberndorfer Gotteshaus." Daraus geht hervor, dass die Oberndorfer ihre Toten in Ipsheim beerdigt haben. Damals lag der Ipsheimer Friedhof noch um die Ipsheimer Kirche. Als der neue Friedhof in Ipsheim 1607 eingerichtet wurde, war den Oberndorfern der Weg zu weit und sie legten sich einen eigenen Friedhof um die Kirche an.
1617, beim Lutherjubiläum, wurde das vor dem Einsturz stehende Kirchlein instand gesetzt. Das scheint aber nicht viel geholfen zu haben. Vielleicht hat es auch im Dreißigjährigen Krieg Schaden genommen. Jedenfalls wurde es 1761 nach den Plänen des markgräflichen Bauamtes Bayreuth im damaligen Rokokostil neu aufgebaut und ist seitdem unverändert erhalten geblieben. Die Kirchweih wird jährlich am 2. Oktober-Wochenende gefeiert, wobei die Oberndorfer Ortsburschen mit deftigen "Einlagen" den traditionellen fränkischen "Kerwa"-Brauch aufrechterhalten.
Der Schulhausbau datiert aus dem Jahre 1849. In diesem Jahr wütete die Cholera im Landkreis und forderte zahlreiche Tote.
Ein sehenswertes Gebäude ist die Oberndorfer Mühle (in den Sommermonaten Gartencafé). An einem Hausbalken sind die Buchstaben G C L B eingeritzt, sowie die Jahreszahl 1734.
1159/65 zeugt Gernod de Obrensdorf, Ministeriale, für Bischof Heinrich von Würzburg. Hier ist unklar, welches Oberndorf gemeint ist. 1249 übergibt Burchardus de Rutmarsperg dem Deutschen Haus zu Nürnberg unter anderem als freies Eigen den Hof in Oberndorff, "que dicitur Cehendehoue" und das Lehen des Rapoto in Metelendorff. 1262 bestätigt das Deutsche Haus zu Nürnberg, dass Livkardis ihm ihre Güter in Oberndorf übertragen und dafür das Zinslehenrecht daran erhalten hat. 1269 überträgt Burggraf Friedrich III. von Nürnberg dem Kloster Heilsbronn seinen Hof in Oberndorf.
1308-13 Würzburger Lehenbuch: "Arnoldus de Seggendorf (recepit) ... decimam in Oberndorf". 1342 gibt Arnold von Seckendorff, genannt der Reiche Nolt, seinen Hof ze Oberndorf, den der Katzhaub baut, und sein Gut, das der Suttner baut, dem Burggrafentum Nürnberg zu lehen auf. 1350 teilen sich Arnold und Burkhard von Seckendorff die Gilten zu Oberndorff. 1356 stellt das kaiserliche Hofgericht zu Sulzbach dem Fritz, Herrn Burkharts Sohn aus der Awe (Mailheim), einen Schatzbrief über die ihm zugefallenen Güter zu Dietersheim, Ipsheim und Oberndorf aus. 1371 verkauft Ritter Friedrich von Seldeneck dem Kloster Heilsbronn zu "Oberndorf an der Eysche 4 Tagwerk Wiese vf den Hanpreht und 8 Morgen Acker vf der Selpeunt". 1387 bestätigt das kaiserliche Hofgericht zu Sulzbach den Brief des Landgerichts Nürnberg von 1382 laut dessen Heinrich von Birkenfels die Güter zu Oberndorff, Ipsheim und Dietersheim dem Burggrafentum Nürnberg zu Lehen aufgegeben hat. 1391Ansbacher Lehenbuch: "Fritz Meister von Erelbach hat die Zölle unter anderem zu Oberndorff". 1398: "Ebder Hilpolt v. Seckendorff zu Dettelsau hat u.a. einen Zehnt zu Oberndorf vnter Hoheneck". 1402 Salbuch Kloster Heilsbronn: "In Oberndorff gilten Heintz Goler de curia, Eysilin de Winsheim, Wölflin, Mathesin de feodo?
1409 Ansbacher Lehenbuch: Ott von Oberndorf "hat ein hof zu Oberndorff gelegen". 1414 verleiht das Kloster Heilsbronn dem Laurentz Gos und seiner Frau Magrete das Gut zu Oberndorf an der Eysch. 1418 Ansbacher Lehenbuch: Hans und Peter v. Seckendorff haben "den zehenden an der Stokleiten bei Oberndorff vnter Hohenek gelegen, daz von der Mathesynn uf sie kumen ist". 1421 verkauft Hiltpolt v. Seckendorff zu Dettelsau "der Kunne Wyelandt zu Windsheim seinen Eigenhof zu Oberndorff, den Heyntz Mertz baut". 1426 Würzburger Lehenbuch: Lamprecht v. Seckendorff v. Rinhofen hat "ein wisen zu Oberndorff genannt die Rorwise". 1453 verkaufen Hans Rockel und seine Frau Elße dem Deutschan Haus zu Nürnberg ihre Erbrechte auf dessen Hof zu Oberndorff. 1454 Ansbacher Lehenbuch: Hilpolt, Jorg und Sebastian v. Seckendorff haben 2 Gütlein, den Heu- und den Getreidezehnt zu Oberndorff. 1486: Ebda. : Hanns v. Seckendorff-Aberdar zu Nydern Zenn hat u.a. 3 Seldengütlein zu Oberndorff. 1498 Ebda.: Hanns von Leonrod hat den Heuzehnten zu Oberndorff, den ihm die Seckendorff verkauft haben.
1503 Ebda.: Markgraf Friedrich eignet dem Hanns v. Leonrao den Heuzehnten. 1517 Giltbuch Kloster Birkenfeld: "aus Oberndorff giltet Thoman Hofmann". 1531 schreibt Abt Johann von Heilsbronn wegen der Steinsetzer-Ordnung zu Khaubenheim vnnd Oberndorff an Windsheim. 1573 schließen die Gemeinden zu Oberndorff und Külsheim einen Vertrag über Trieb- und Weiderechte; als Dorfherren von Oberndorf sind genannt: Hans Ludwig v. Seckendorff zu Sugenheim und Nidern Zenn, Anßhelm v. Elterßhouen zu Ipsheim und der brandenburgische Kastner zu Ipsheim. 1591 gehört Oberndorff mit XXXV Mannschaften in die Pfarrei Ipsheim.
1602 Windsheimer Zinsbuch: Einnahmen erhält die Pfarrei St. Kilian unter anderem von "¾ Ackers in Oberndorffhamer Marck". Anfang 18. Jahrundert: "Oberndorff hat 23 bayreuth, 2 onolzbach, 6 windsheim und 4 adel Untertanen". 1735 gehört Oberndorf bey Lenckersheim in die Jurisdiktion Culmbach. 1780 steht alle Obrigkeit dem Fürstentum Brandenburg-Ansbach-Bayreuth zu und das Kastenamt Hoheneck hat 29, das Kastenamt Jochberg 2, das Kastenamt Windsheim 2 und die Reichsstadt Windsheim 6 Untertanen. Das Hirtenhaus gehört der Gemeinde, ebenso die Schafscheune. 1799-1804 Oberndorf. "Bayreuth Dorf bey Ipsheim. patrozinium: Kilian (Kapelle)".

 

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