Der Ortsteil Mailheim

Mailheim ist mit zehn Anwesen, sieben eingestammten Familien und 38 Einwohnern, darunter zwei schulpflichtige Kinder, eine der kleinsten Gemeinden des Landkreises Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim. Der rein landwirtschaftlich strukturierte Ort hatte bis in die fünfziger Jahre neben einer Schäferei und einer Schmiede acht landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Heute gibt es deren noch vier und einen Nebenerwerbsbetrieb. Schäferei und Schmiede sind verschwunden. Das alte Schmiedehaus wurde abgetragen und im Freilandmuseum Bad Windsheim wieder aufgebaut.
Bekannt ist das Dorf Mailheim vor allem durch die nach ihm benannte Steige, die vor allem von den LKW-Fahrern bei Winterglätte gemieden wird. Die Häuser liegen ausnahmslos an der Ortsdurchfahrt der Straße von Lenkersheim nach Linden (Staatsstraße Nr. 2252) und ragen mit ihren Wirtschaftsgebäuden in die Abzweigungen nach Oberndorf und Weimersheim hinein. Zuzüge von Fremden sind kaum zu vermelden. So bleiben die Mailheimer unter sich, wie sie das schon seit vielen Jahrhunderten tun.
Es gibt kaum einen Ort, der eine solche Veränderung seines Namens erfahren hat, wie Mailheim, denn ursprünglich hieß die Ansiedlung "zu der Au". Wie es zu der Änderung gekommen ist, lässt sich nur schwer rekonstruieren.
Es scheint aber, als habe sich bei den Namensbenutzern neben der alten Ortsnamenform "ze der Awe" die Verkleinerungsform "ze dem Awelin" (zu dem Aulein) herausgebildet, und als sei darauf von den Sprechern der Auslaut des Artikels mit dem folgenden vokalischen Anlaut verschmolzen sowie die mittelhochdeutsche -lin-Nachsilbe zu mundartlich -la reduziert worden, was dann die Form "mala" ergeben hätte, die ja noch heute gebräuchlich ist.
Entsprechend wäre dann die Schreibform von 1523 "Maila" als "zu dem Aulein" zu verstehen. Hinter dem Reduktionsvokal das Grundwort -heim zu vermuten, liegt nahe, da "Mala" mit einer Reihe von echten -heim-Ortsnamen (Lenkersheim, Weimersheim, Ipsheim) direkt benachbart ist. Schließlich hat sich die offizielle Schreibweise "Mailheim" durchgesetzt. Ob die sprachliche Entwicklung des Ortsnamens Mailheim tatsächlich so abgelaufen ist, wie angenommen, steht dahin.
Ein Blick auf die Dokumente ab dem frühen 14. Jahrhundert zeigt den Wandel des Ortsnamens bis zur heutigen Form: 1302 zeugt Bvrchart von der Awe für Burggraf Friedrich IV. von Nürnberg. 1304 Burchardus in der Aw, miles, genannt als Vater und Zeuge der Brüder Konrad und Burkhart von Seckendorff. 1350 bedenkt Hermann Stehler aus Windsheim in einer Stiftung unter anderem den Hofstolzen von der Awe. 1356 stellt das kaiserliche Hofgericht zu Sulzbach Fricz, Herrn Burcharts Sohn aus der Auwe, einen Schutzbrief über die ihm zugefallenen Güter zu Dietersheim, Ipsheim und Oberndorf aus. Zirka 1360 Urbar des Burggrafentums Nürnberg: Verzeichnis der Gilten zu Awe. 1412 Ansbachisches Lehenbuch: Hans von Seckendorff zu Dettelsau hat eine hube zur Awe des Hauslod. 1441 ebenda: Hilpolt von Seckendorff zu Dettelsau hat unter anderem ein hube zu der Auwe des Haußlodens. 1523 klagt Windsheim vor dem Landgericht Nürnberg gegen die brandenburgischen Schafmeister zu Maila, dass sie zu Unrecht auf der windsheimischen Markung treiben. 1529 erscheint zum selben Rechtsstreit an späterer Stelle die Ortsnamenform "Mayhaim".
Im gleichen Jahr regeln Windsheim und Brandenburg-Ansbach vertraglich unter anderem die Trieb-, Weide- und Hutrechte der brandenburgischen Schäfer zu "Mayla". 1529 schwört Tomann Scheffer zu Maile Windsheim Urfehde. 1530 schwört derselbe Tomann Scheffer zu Mailheim Windsheim erneut Urfehde. 1543 schreibt die Stadt Worms an Windsheim, dass ihre Reisigen vom Türkenfeldzug kommend, wegen Pferdemangels einen Reiswagen und eine Kiste zu Maylen im dorff hätten stehen lassen müssen, und bittet, mit Pferden auszuhelfen, damit man Wagen und Kiste nach Worms schaffen könne.
1548 windsheimisches Zinsbuch: "Aus "Meillein" ist Linhart Schler der Stadt zinspflichtig." 1565 Lehenbuch der Pfarrei Altheim: "Item der Scheffer zw Meilein ist jerlich schuldig den Lemmer Zehendt und dafür II Gulden. - Item das Gotshaus Althaim hat denn Zweitten theil zehenden vf gantzer Meilhaimer Marckung. - Außerdem hat die Pfarrei Besitz zw Meilein auf der Steg" (Mailheimer Steige). 1571 Gilt- und Zinsbuch Amt Hoheneck: Hanns Dirolff aus Meylheim zinst nach Lenkersheim. 1591 Mailheim mit sechs Mannschaften gehört in die Pfarrei Ipsheim. 1597 bittet Joachim von Seckendorff zu Jochsberg Windsheim, den windsheimischen Untertanen Contz Jeger zu Maila anzuhalten, ihm den Getreidezehnten zu liefern.
1623: In die Pflege St. Martin in der Stadtkirche zu Windsheim gehört unter anderem ein Lehen zu Meilheim. 1634 bittet der eichstättische Vogt in Lehrberg Windsheim um Rechtshilfe gegen dessen Untertanen, den Schindtler zu Mahla. 1686 Salbuch Obernzenn II: "Der Zeht zu Mailheimb ist seckendorff, die Pfarrei Ipsheim hat daran die 3. Garbe". Anfang des 18. Jahrhunderts hat Mailheim vier bayreuthische und einen windsheimischen Untertanen. 1735 Mahla gehört in die Jurisdiktion Culmbach. 1799 - 1804 Mailheim, gemeinhin "Mahla", bayreuthisches Dorf im Kammeramte Hoheneck, liegt an der Straße von Linden nach Lenkersheim.
Heute gehört die Gemeinde zu Ipsheim. Die Flurbereinigung mit Weinbergsbereinigung wurde 1968 durchgeführt. Grund genug für die Bewohner, auf ihre Heimatgemeinde stolz zu sein.

 

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