Der Ortsteil Bühlberg

Berg(siedlung) des Bühl (= Personenname): Es liegt hier die Zusammenfügung des Familiennamens Bühl und -berg vor, die wie Markt-platz oder Zoll-amt etc. entstanden sein dürfte. Dadurch unterscheidet sich die seltene und junge Ortsnamensbildung von zahlreichen älteren mit einem Personennamen und zusammengesetzten Ortsnamen, bei denen der Personenname in der Regel im Genitiv vor dem Grundwort steht. Zum Beispiel: Karl(s)feld.
1698 erscheint erstmals im Ipsheimer Kirchenbuch Justin Friedrich Bül, Capitain zu Neustatt und Kriegs Commissarius. Etwa ein Jahrzehnt vorher wird in Neustadt von der Aufstellung einer Bürgerwehr unter einem Kriegscommissarius berichtet, ohne dabei einen Namen zu nennen. Es ist jedoch anzunehmen, dass es sich dabei um besagten Bül gehandelt hat.
1703 wird im Ipsheimer Kirchenbuch die Taufe der "Esther Barbara, Herrn Justin Friedr. Bühls, Obrist Wachtmeisters und Kriegs Commissarii und seiner ehelichen Hausfrauen, Frauen Barbara ... wohlgeb. Töchterlein" vermeldet. Der Eintrag im Ipsheimer Kirchenbuch lässt darauf schließen, dass Justin Friedr. Bühl an dem Platz des heutigen Bühlberg ein Haus errichtet hat und damit in die Zuständigkeit der Ipsheimer Kirche geriet.
Alle folgenden Eintragungen stammen aus dem Ipsheimer Kirchenbuch: 1708: Taufe der Tochter des Andreas Reichendörfer, "Hirten und Innwohners auff dem Haus bey Hoheneck, Herrn Obrist Wagtmeisters Bühl" (gehörend). 1714 wird von der Taufe des "Georg Matthes Simon, geboren auf dem Bühlberg, Sohn des Lorenz Kolb, Pate Balthasar Sauler, Hirt auf dem Bühlberg", berichtet. 1732: "Hannß Georg Schwarz, Tagwerker auf dem Pühlberg". 1766: "Georg Peuschel, Hochfürstlich Bayreuthischer Unterthan auf dem Bühlberg". 1794: "Jacob Friedrich Peuschel, Innwohner auf dem Bühlberg".
1800 wird an gleicher Stelle ein "Johann Friedrich Careth, Schuhmacher und Beständner auf dem Bühlberg", genannt. 1824 hatte der Weiler Bühlberg vier Wohngebäude und 33 Einwohner. In einer späteren Aufstellung vom Königlichen Landgericht in Windsheim wird von Bühlberg berichtet: "Weiler, protestantisch, ehemals Baireuth, fünf Häuser, sechs Familien, 39 Seelen, zur Pfarrei und Schule Ipsheim".
Eine ältere Bewohnerin von Bühlberg, die dort seit 76 Jahren lebt, berichtet von der früheren Zeit. Das Leben war hart. Eine Straße nach Ipsheim gab es nicht. Alle Wege mussten zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Oft kam Hilfe durch den Arzt zu spät. Die Straße nach Ipsheim wurde erst in den 50er Jahren gebaut. Die Straße nach Hoheneck wurde vom Arbeitsdienst erstellt. Schon als Kinder wurden die Einwohner zu schweren landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen. Der Weg zur Schule nach Ipsheim war für die Kinder, besonders im Winter, sehr beschwerlich. Eine Schneeräumung erfolgte damals noch nicht. Der Schulzeit folgte ein arbeitsamer bescheidener Tag. Wegen der Tiere, die jeden Tag versorgt werden mussten, gab es keinen Urlaub. Noch heute steht der alte Herd in der Küche und wird, wie zu Urgroßmutters Zeiten, mit Holz geschürt.
Bereits 1934 hatten die Bewohner von Bühlberg gemeinsam eine Quelle im Talgrund fassen lassen und eine eigene Wasserversorgung aufgebaut. Heute ist Bühlberg an die Fernwasserversorgung angeschlossen. Unmittelbar neben Bühlberg ist ein nährstoffreiches Biotop, in dem der sehr selten gewordene Laubfrosch, Libellen sowie zahlreiche andere Wasserinsekten ihre Heimat gefunden haben. Früher hatte der Tümpel ganzjährig Wasser und Fische lebten darin. Heute trocknet der Weiher in den Sommermonaten aus. In der Gegend von Bühlberg müssen schon in der Steinzeit Menschen gelebt haben, denn immer wieder werden Speerspitzen oder Steinbeile gefunden.
Den Krieg hat Bühlberg einigermaßen unbeschadet überstanden. Nur die Burg Hoheneck lag unter Beschuss. Die beiden Weltkriege forderten auch von Bühlberg hohen Blutzoll. So nennt das Kriegerdenkmal in Ipsheim von den Orten Bühlberg, Holzhausen und Eichelberg 13 Tote im ersten Weltkrieg. Im zweiten Weltkrieg mussten zwei Bühlberger ihr Leben lassen, zwei weitere werden vermisst. Die Jahre 1922 und 1923 "bescherten" der Gemeinde zwei Brandkatastrophen, denen je ein Anwesen zum Opfer fiel.

 

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